Wer kennt das nicht, die Windvorhersage für den nächsten Tag sieht viel versprechend aus, aber leider ist noch keine Urlaubszeit. Also, morgens schon mal ne halbe Stunde früher aufstehen und das Kitegerödel ins Auto schmeissen, damit man abends bloß keine Zeit verliert und rechtzeitig am Homespot ist. Tagsüber schweift der Blick immer wieder aus dem Fenster, ob sich die Bäume noch biegen und die Wolken noch mit geschätzten 6 Windstärken übers Land rauschen.
Nachmittags fängt dann langsam an, auf die erwartete Feierabendsession, der Puls zu steigen und das Sitzen auf dem Bürostuhl ist auch nicht mehr ganz so entspannt wie am Morgen.
Dann ruft dich auch noch einer deiner Kumpels an und erzählt dir das er bereits am Spot sei, dass die Sonne scheint und die Bedingungen perfekt sind. Na toll, ich muss noch ne Stunde durchhalten.
Aber jetzt ist es endlich soweit, es geht los!
Kaum auf der Bahn geht’s schon los, irgendwie fahren heute alle so langsam und die Mutti vor mir, warum überholt sie nicht, ist doch alles frei. Dann eben nicht, den Blinker kurz gesetzt und aus der dritten Position an allen vorbei, geht doch. Warum blinkt mich der entgegenkommende Knaller denn an, war doch noch genug Platz.
Endlich am Homespot angekommen, es sieht gut aus, bis auf ein paar dunkle Wolken die auf einmal heranziehen. Meinen Kumpel noch mal kurz zur Wahl der Kitegrösse befragt, der meint es wird gerade etwas böiger und der Wind geht auch etwas runter. Ok, dann halt ne Nummer grösser aufbauen. Während des Aufbauens geht der Blick immer wieder auf``s Wasser, waren eben doch noch Schaumkronen und Sonne zu sehen. Egal, weiter pumpen bis der Schlauch glüht, 8 Psi das reicht. Jetzt noch schnell in den Neo quälen, Trapez umschnallen und es kann losgehen. Wie jetzt, alle kommen vom Wasser und ein Regentropfen hat mich auch gerade gestreift. Also, noch einen Augenblick warten, vielleicht wird’s ja noch wieder. Hinter mir höre ich dann noch eine Stimme sagen: „Ich glaube du bist zu spät!“ Kann der nicht einfach die Fres... halten. Während wir dann noch etwas am Strand verweilten zog sich der Himmel richtig zu und es fing an in Strömen zu regnen. Das war´s, von Wind keine Spur mehr. Das sind die Momente die ich hasste, den ganzen Tag die Vorfreude auf die bevorstehende Feierabendsession, in völliger Hektik und unter Nichtbeachtung einiger Geschwindigkeitsbegrenzungen zum Spot fahren und nun das. Wäre ich doch lieber Laufen gegangen oder hätte im Studio Eisen gestemmt, aber dazu ist es jetzt zu spät und die Motivation fehlt mir auch.
Das es aber auch anders geht, zeigte uns der Monat Mai in diesem Jahr. Die Wetterlage im Mai bescherte uns hier an der Ostsee fast 1 ½ Wochen konstanten Ostwind, der bis weit in die Abendstunden anhielt. In der letzen Juli-Woche gab es dann, dank eines Hochdruckgebietes über Skandinavien, erneut eine nette fahrbare Ostströmung mit satt Sonne.
Da zur dieser Zeit aber bereits Ferien in Schleswig-Holstein waren und die Wetterbedingungen alt und jung an den Strand lockten, war es kaum möglich tagsüber noch einen Platz zum Aufbauen zu finden. Erst recht nicht an unserem Secret-Wavespot. So wurde alles, in der Hoffnung das nach Feierabend noch etwas geht, in die Abendstunden verlegt.
Also, kein Stress tagsüber machen. Nach der Arbeit völlig entspannt nach Hause fahren, mit meiner „Süßen“ noch einen Capu auf der Terrasse trinken, die Kumpels anrufen, Kitesachen ins Auto schmeissen und langsam los Cruisen. Am Spot angekommen erwarten uns 5-6 Windstärken aus Ost, türkisschimmerndes Wasser und Sonnenschein bei Temperaturen die nur Flip-Flops und Shorts zulassen. Einige Pinguine (Wellenreiter) sind auch schon auf dem Wasser. Leider fehlt uns noch der Platz zum aufbauen, denn wie vermutet ist der Strand noch gerammelt voll. Kein Problem, wir ziehen uns erst einmal um. Wie einfach bei den Temperaturen, Shorts runter Shorty wieder rüber, fertig. Mittlerweile ist es 18:00 Uhr, aber alle sind noch völlig entspannt. Wir halten noch mal kurz die Nasen in den Wind, 10er und 11er Kites sollten perfekt sein, Wellenschnittchen unterm Arm und ab geht’s runter zum Strand. Gerade wird ein Plätzchen frei, der sollte reichen zum aufbauen. Jetzt aber geht es Schlag auf Schlag und drei Kites sind in Windeseile aufgepumpt. Kurz gegenseitig gestartet und ab geht’s aufs Wasser. Der Wind ist immer noch konstant und die Wahl der Kitegröße erwies sich als optimal. Uns erwarteten schöne perfekt laufende 1,5m Wellen die wir versuchten mit unzähligen feinsten Cutbacks zu zerstören. Selbst die Wellenreiter hatten Spaß in den sauberen Wellen. Nach ca. 21/2 Stunden mussten wir dann leider aufgeben, weil unsere völlig übersäuerten Oberschenkel nicht mehr ganz den Anweisungen des Hirns folgten. Völlig gestoked packten wir unsere Sachen zusammen und setzten uns noch bei einem „Cerveza“ an den Strand und genossen den Sonnenuntergang.
Wie immer hatte natürlich jeder “die größte Welle“ erwischt.Diese perfekte Feierabendsession sollte uns noch lange in Erinnerung bleiben.
Cu Torsten